HEPC Blog · 05.03.2025

Die Kosten von fehlendem BGM

Die Kosten von fehlendem BGM
Auch wenn sie die Notwendigkeit von BGM erkannt haben: In vielen Unternehmen fehlt ein umfassendes Konzept, das physische UND psychische Gesundheit einschliesst. (Bild: Volodymyr Hryshchenko/unsplash)
Ist Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ein Nice-to-have oder bringt es dem Unternehmen einen echten Nutzen? Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick, was BGM in Zahlen bedeutet und wo es sich für Firmen lohnt, anzusetzen.

Lesezeit: 5 Minuten

Die Agenda lückenlos gefüllt, immer wieder ploppen Mitteilungen auf, das Telefon klingelt. «Das muss heute noch raus», heisst es. Feierabend um 18 Uhr? Fehlanzeige. Hohes Tempo, steigender Druck und immer komplexere Aufgaben prägen den Arbeitsalltag in vielen Schweizer Unternehmen. Jeder Systemwechsel, jedes IT-Problem und auch der Einsatz neuer Tools bringen Teams und die einzelnen Mitarbeitenden an ihre Grenzen.

Herausforderungen im Arbeitsalltag

Im Dialog mit Unternehmen haben wir fünf grosse Herausforderungen identifiziert:

  • Zeitdruck und Überlastung.
    Mitarbeitende berichten, dass sie ihre Aufgaben in kürzerer Zeit erledigen müssen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Qualität.
  • Kommunikationsprobleme.
    Es gibt häufig Unklarheiten über Verantwortlichkeiten oder Zielsetzungen. Dies führt zu Doppelarbeit und Frustration.
  • Arbeitsunterbrechungen.
    Wiederholte Unterbrechungen durch E-Mails, Anrufe oder Ad-hoc-Meetings erschweren das konzentrierte Arbeiten.
  • Fehlender Fokus auf Prävention.
    Gesundheitsförderung wird oft nur punktuell oder reaktiv angegangen, z. B. erst bei hohen Absenzen- oder Krankheitsraten.
  • Psychosoziale Belastungen.
    Druck von Vorgesetzten, fehlende psychologische Sicherheit, zwischenmenschliche Konflikte oder das Gefühl mangelnder Wertschätzung sind häufig angesprochene Themen.

Zahlen und Fakten: Kosten für die Schweizer Wirtschaft

Psychische Belastungen sind in der Arbeitswelt weit verbreitet. Rund 30 % der Erwerbstätigen in der Schweiz fühlen sich regelmässig gestresst. Kurzfristig äussert sich das etwa durch steigende Krankheitstage – oder aber in Form von Präsentismus: Mitarbeitende erscheinen trotz Krankheit oder gesundheitlicher Probleme am Arbeitsplatz. Allein Präsentismus und Fehlzeiten verursachen der Schweizer Wirtschaft Kosten in der Höhe von jährlich 6.5 Milliarden Franken. Erwähnenswert ist auch, dass psychische Erkrankungen – etwa ein Burn-out oder chronische Störungen – häufig zu mehr oder längeren Absenzen führen als physische Krankheiten.

Natürlich verharrt der Mensch ungern in einer solchen Situation. Wer die eigene Stelle kündigt, wird vielleicht in einem anderen Umfeld glücklich. Für das Unternehmen selbst ist eine Kündigung nicht unbedingt von Vorteil. Die Rekrutierung einer neuen Arbeitskraft, die Einarbeitung und Produktivitätsverluste schlagen zu Buche: Gemäss Gallup Organization kostet eine Fachkraft, die das Unternehmen verlässt, die Firma im Schnitt zwischen 50 und 200 Prozent ihres Jahresgehalts. Schiessen die Arbeitskosten in die Höhe, steigen auch diese Ausgaben weiter steigen.

Ganz abgesehen davon, dass die Arbeitgebermarke unter einer hohen Fluktuation leidet. Ein Unternehmen hingegen, das sich für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden engagiert, gewinnt an Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt. Deswegen ist gerade in Branchen, die unter Fachkräftemangel und hohem Konkurrenzdruck leiden, strategisches BGM ein wesentlicher Faktor, um die besten Arbeitskräfte zu gewinnen.

Punktuelle Massnahmen vs. strategische Einbettung

Von ergonomisch eingerichteten Arbeitsplätzen über eine gesunde Pausenverpflegung bis hin zu Meditationskursen: die Möglichkeiten, etwas für die Gesundheit zu tun, sind vielfältig. Solche Massnahmen sind gut gemeint, aber nicht unbedingt zielführend. Denn in vielen Unternehmen fehlt ein umfassendes Konzept, das physische UND psychische Gesundheit einschliesst. Immer wieder verwechseln Unternehmen zwei Ebenen miteinander – und zahlen viel Geld für diesen Fehler.

Zu unterscheiden ist zwischen dem Baustein Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) und dem übergeordneten Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM – siehe auch Box). BGM ist ein weitsichtiges Konzept, das die BGF-Massnahmen langfristig in eine Strategie einbindet.

BGM ist ein umfassendes, systematisches Managementkonzept, das darauf abzielt, die Gesundheit der Mitarbeitenden langfristig und ganzheitlich zu fördern. Es integriert Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF), Arbeitsschutz, Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) und weitere gesundheitsrelevante Massnahmen in die Unternehmensstrategie.

Was strategisches BGM bewirkt

Wie sieht nun der Return on Investment (ROI) von Betrieblichem Gesundheitsmanagement aus? Eine interessante Zahl liegt hierzu aus Deutschland vor. Der iga.Report 40 der Initiative Gesundheit und Arbeit fasste 2019 die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen. Das Resultat: ein durchschnittlicher ROI von 2.7 für betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention. Konkret heisst das: Jeder Euro, der investiert wurde, wurde im Schnitt mit 2.70 Euro zurückgewonnen.

Ein hoher ROI für Gesundheitsförderung zeigt, dass sich Investitionen lohnen. Aber ohne ein solides BGM, das für nachhaltige Strukturen sorgt, bleibt die Gesundheitsförderung eine punktuelle Massnahme – wie ein Turbo ohne Motor. Erst die Verankerung in Strategie und Kultur macht Gesundheit zu einem echten Erfolgsfaktor.

Zahlreiche Betriebe in der Schweiz haben die Vorteile von BGM erkannt, bei der konsequenten Umsetzung besteht noch Luft nach oben: Nur 23 % der Schweizer Unternehmen setzen BGM vollumfänglich und systematisch um.

BGM: Was ist sinnvoll?

Ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement verfolgt klare Ziele und berücksichtigt physische, psychische und soziale Gesundheit. Diese Handlungsfelder stehen bei unserer Arbeit im Vordergrund:

  • Haltung der Unternehmensleitung.
    Eine Unternehmenskultur, die Gesundheit als strategischen Faktor ansieht, benötigt eine klare Kommunikation durch die Unternehmensleitung.
  • Messbare Gesundheitskennzahlen (Absenzen, Fluktuation, Stressempfinden).
    Eine regelmässige Erhebung von Gesundheitskennzahlen (z. B. Absenzen, Fluktuation) und gezielte Massnahmen, die auf diesen Daten basieren.
    Unsere Erfahrungen damit wurden kürzlich in einem Buch veröffentlicht.
  • Training und Weiterbildung.
    Führungskräfte und Mitarbeitende darin schulen, wie sie Stress bewältigen, resilient bleiben, und ein gesundes Arbeitsumfeld fördern.
    Auch bei einer ausgezeichneten Vorgehensweise hat negative Führung grosses Zerstörungspotenzial.
  • Präventive Massnahmen priorisieren, statt auf reaktive Lösungen zu vertrauen.
    Gute Erfahrungen haben wir z. B. mit Führungskräfte-Schulungen und HRV-Messungen gemacht.
  • Führungskräfte als Vorbilder.
    Führungskräfte haben eine Schlüsselfunktion. Vorgesetzte, die selbst keine Pausen einlegen und ihr Team dazu ermuntern, sind nicht glaubwürdig.
  • Kulturwandel.
    Wenn Mitarbeitende langfristig unterstützt werden, kommen kulturelle Fragen ins Spiel. Etwa: Welche Erholungskultur wird gepflegt? Wie viel Spielraum haben Mitarbeitende in Bezug auf Arbeitszeiten und -ort?

Ihr wollt Gesundheit nachhaltig in eurem Unternehmen etablieren – und fragt euch, wo ihr anfangen sollt? Kontaktiert uns. Gemeinsam schauen wir, was für euch sinnvoll ist.